Theater und Filmkultur an bayerischen Schulen

LAG – Tagung an der ALP in Dillingen


Die intern oftmals als „LAG-Tagung“ bezeichnete dreitägige Fortbildungsveranstaltung im Februar an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen heißt offiziell „Theater- und Filmkultur an bayerischen Schulen“ (FIBS) und ist ein Lehrgang für Multiplikatoren im Bereich Theater und Film mit und ohne Qualifikation.

Die Tagung dient dem schulübergreifenden Austausch und der Planung von Festivals und Fortbildungen. Vielfältige Workshops mit Referenten aus der theater- und filmpädagogischen Praxis stellen den Bezug zu innovativen Entwicklungen auch im professionellen Theater her. Vorträge zur Theaterarbeit in den Regionen und zur Gestaltung von Theater- und Filmfestivals ermöglichen einen umfassenden Austausch und Abgleich der Fortbildungsinhalte.
Der Lehrgang umfasst Workshops und Referate.
Der Austausch mit Vertretern des Kultusministeriums lenkt den Blick auf die neuesten Tendenzen und Wirkungsweisen der Theaterpädagogik.“ (Quelle: FIBS)

Organisiert wird die „LAG-Tagung“ von der Landesarbeitsgemeinschaft Theater und Film an den bayerischen Schulen e.V. (LAG TuF) in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Referat für Kunst, Theater, Film, neue Medien an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen.

Die „LAG-Tagung“ ist die einzige offizielle Plattform auf der die Verbandsvertreter und Multiplikatoren der einzelnen schulartspezifischen Fachverbände für Theater zusammenkommen und an gemeinsamen Projekten und inhaltlichen sowie strategischen Perspektiven des Dachverbandes LAG TuF arbeiten können.

Ausschreibungstext und Anmeldung über FIBS bzw. über das zuständige Referat für Kunst, Theater, Film, neue Medien an der ALP


LAG-Tagung 2018 – 07.-09.02.2018

In diesem Jahr widmen wir uns dem Schwerpunktthema RAUM. Ein grundlegendes Element des Theaters neben dem Körper, der Stimme und der Zeit ist der Raum. Im Schultheater wie im professionellen Theater findet sich oft eine Abwendung von der Illusionsbühne wieder. Auf unserer LAG Tagung wollen wir in verschiedenen Workshops ausloten, inwieweit eine Beschäftigung mit dem Raum unumgänglich ist, weil er die Inszenierung und das Spiel entscheidend positioniert. Dabei bedarf es nicht zwingend eines allzu großen Aufwands. Mit Bühnenbild, Rauminstallationen, Überwinden der vierten Wand, anderen Räumen als Spielorten oder auch mit dem Einsatz von Video, Film und Sound als Eröffnen neuer Raumdimensionen soll sich in den angebotenen Workshops und Impulsvorträgen auseinandergesetzt und auch die Umsetzbarkeit des Erprobten für die Schule reflektiert werden.

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Lehrgangsprogramm


LAG-Tagung 2017 – 22.-24.2.2017

Schwerpunktthema der diesjährigen Tagung ist – angelehnt an das SDL-Thema 2017- die Schnittstelle zwischen Theater und Film. Dazu finden Vorträge, Diskussionen und Workshops mit unterschiedlichen Ansätzen zum Thema statt. Nach Input durch die Workshopleiter am Mittwoch und Donnerstag wird am Freitag auch über die Praktikabilität und Umsetzbarkeit der Verzahnung von Theater und Film in allen Schularten ein Austausch stattfinden und die Workshopergebnisse werden präsentiert.

Besonders ist in diesem Jahr, dass eine sehr große Anzahl an Zertifikaten für Theater- und Filmlehrer verliehen werden kann. Im letzten Jahr wurden an der ALP drei Qualifizierungslehrgänge für Theaterlehrkräfte und ein Qualifizierungslehrgang für Filmlehrkräfte abgeschlossen. Die Tagung dient wie jedes Jahr insbesondere dem schulartübergreifenden Austausch der Theater- und Filmlehrer in Bayern.

Auszüge aus dem Programm:

IMPULSE – KARNIK GREGORIAN

ICH BRAUCHE KEINEN FILM IM THEATER – ODER DOCH?

Theater und Video ist nichts. Doch ohne Theater, kein Video.

Oft wird gesagt: „Ich brauche kein Video im Theater“, doch Theater schließt Video oder Film mit ein.

Denn das Theater ist immer auch das Abbild der Gesellschaft. Und unsere Gesellschaft ist durchvisualisiert.

Besonders der Alltag von Jugendlichen ist geprägt von Bildern und Video, sie sind Lebenswelt und Realität für diese, und Theater sollte gesellschaftliche Realitäten abbilden.

Video im Theater darf aber nicht einfach nur als pseudo-modernes Mittel eingesetzt werden, sondern ist ein inhaltliches, dramaturgisches, erzählerisches und technisches Mittel so wie Kostüme, Bühnenbild, Licht und auch der Text.

Ein Theater muss heute zeitgemäßer Ort sein, an dem es auch Platz für Video gibt. Denn ein Theaterstück muss die Lebenswelten der Gesellschaft ausdrücken.

Karnik Gregorian, Journalist, Regisseur (Theater und Dokumentarfilm) und Videokünstler, arbeitet am liebsten interdisziplinär. Er entwickelt mit Jugendlichen der Kammerklicke an den Münchner Kammerspielen Theaterstücke und führt Regie, betreibt in München den interdisziplinären Open Space „Galerie Kullukcu & Gregorian“ und realisiert interdisziplinäre Performance-Projekte. 2015 Gewinner des Mixed Up-Preis des Bundesverbands Kinder und Jugendkultur (BKJ).

WORKSHOP I – KARNIK GREGORIAN

ES LIEF GRAD SO GUT

Die Gang ist ein Team, das prima funktioniert. Alles bestens bis Wolfgang aus der Reihe tanzt. Was ist nur los mit ihm? Und wieso finden jetzt die anderen Wolfgangs auch plötzlich alles falsch?

 Ich fühl mich so, ich weiß nicht wie. Ich muss mich täglich aktualisieren. Mein neues Mobiltelefon hat so viele Funktionen. Ich will auch mehr Funktionen haben. Ich denke Zukunft Tralali Tralali Hysterie Hysterie. Ich muss mich täglich neu aktualisieren. Ich muss mich auf den neusten Stand bringen. Warum habe ich immer noch keinen Internetanschluss in meinem Kopf. Locker bleiben, locker bleiben. Die Geschichte wird sich ewig weiterschreiben und die Zukunft hat eine lange Vergangenheit, Tempo und noch mehr Tempo, Pausen nicht vergessen, Alles ist viel zu viel! Alles ist bestens. Bis Wolfgang aus der Reihe tanzt.

Der Workshop untersucht mit Hilfe verschiedener Theaterformen die Themen »Individuum«, »Gruppe« und »Gesellschaft«. Welche Möglichkeiten bieten dabei der Einsatz von Video und Projektion. Wann sind sie ein künstlerisches Element, wann driftet ihre Verwendung zu modischem Beiwerk ab? Die Themen bieten dem Workshop eine breite Spiel- und Analysemöglichkeit für die Kombination von klassischen Theaterelementen und Videoprojektionen.

Als Grundlage dienen Textfragmente der Stücke »Marc Becker – Aus der Mitte der Gesellschaft« und »Tom Lanoye DIE WOLF-GANG«.

WORKSHOP II   – MICHAEL MÜLLER

FILMMITTEL IM THEATERSPIEL OHNE KAMERA

Theater und Film sind eigentlich immer zwei unvereinbare Gegenpole gewesen. Während der Film uns eine in sich unveränderbare Welt aus einer festgelegten (Kamera-) Perspektive präsentiert, eröffnet uns das Theater einen Raum, in dem wir selber entscheiden, was wir wahrnehmen möchten. Das Bühnengeschehen ist in der Regel zeichenhafter in seiner Raumgestaltung, direkter in den Figuren, während der Film seinen Focus auf wechselnde Schauplätze und Szenenschnitte setzt. Und doch: Beide Genres können, wie u.a. die Theaterarbeiten von Katie Mitchell und Frank Castorf zeigen, sich experimentell verbinden. Auch im Schultheater werden immer häufiger Videos und filmische Live-Mittel eingesetzt. Aber gibt es nicht andere Möglichkeiten die Bühne wie eine Leinwand wirken zu lassen? Der Workshop „Filmmittel im Theaterspiel ohne Kamera“ versucht mit Ihnen praktisch herauszufinden, was auf der Bühne an spielerischen Möglichkeiten denkbar wäre, um Filmsets und -situationen herzustellen, die nicht abgefilmt werden. Ein Experiment – auf dem Hintergrund des SDL-Themas 2017.

Michael Müller, geboren 1959 in Lübeck. Kunst- und Politikstudium an der Universität Hildesheim, anschließend Aufbaustudium Theater-pädagogik in Remscheid. 1991 Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Bildung am Deutschen Schauspielhaus, ab 2000 Spartenleiter „Junges Theater“. Mit der Gründung des Jungen Schauspielhauses 2005 neben der theaterpädagogischen Arbeit Schwerpunkt mobile Projekte und Nachwuchstexte. Seit 2013 ist Michael Müller Leiter der Theaterpädagogik und Autor am Schauspielhaus in Hamburg. Zweimalige Nominierung für den „Mülheimer Theater-preis für Kinderstücke“, den er 2011 gewann

WORKSHOP III  – ROBERT GRIMBS

Seit etwa 25 Jahren unterrichtet er, nachdem er vorher in Würzburg und Donauwörth gearbeitet hat, am Gymnasium Kirchheim als Kunst-, Theater- und Filmlehrer. Seine Schülergruppen waren immer wieder an großen Festivals und Wettbewerben beteiligt, u. a. dem Schultheater der Länder in Pirmasens oder dem Jugendfilmfestival in Hannover. Parallel zu der Arbeit mit Schülern hat er  in den Bereichen Theater, Film und Szenisches Lernen Lehrer aller Schularten fortgebildet, u. a. in Kassel, Würzburg, Berlin, Hamburg, Brüssel und in Poggio san Marcello in Italien.

MEDIALES SCHULTHEATER ODER WENN DER VATER DURCH NACHT UND WIND REITET, SIEHT MAN NIRGENDS EIN PROJIZIERTES PFERD

Mediales Theater, so wie ich es in den letzten Jahren auf Schultheaterbühnen (bei den Theaterprofis war es übrigens ganz ähnlich) erlebt habe, läuft (meistens) so ab: Wenn, sagen wir, z. B. Troia brennt, sieht man einerseits auf der Bühne die Schauspieler, die in Panik agieren, andererseits ist im Hintergrund eine große Leinwand aufgespannt und ein starr fixierter Beamer projiziert darauf ein Flammenmeer, die Bilder sind ganz gern mal aus dem Internet runtergeladen und von einer opulenten Akustik unterlegt.

Nein, das möchte ich nicht, denn es gibt bei dieser Ästhetik meiner Meinung nach mindestens zwei Probleme:

  1. Die beiden Ebenen sind nur über eine dünne inhaltliche Ebene miteinander verbunden, sonst haben sie nichts miteinander zu tun.
  2. Die Projektion kommentiert die Handlung lediglich, sie bringt keine eigene ästhetische Kategorie ins Spiel.

Was ich mir vorstelle: Personales Spiel und technisches Medium müssen ineinandergreifen. Die Projektionen müssen eine eigene Ästhetik ins Spiel bringen.

Welche Videos wollen wir aufnehmen? Aufnahmen und Schnitt müssen sehr einfach sein (in diesem Lehrgang mit i-Pads).

  1. Es sind bewegliche, flexible Projektionsflächen zu entwickeln und zu basteln, die immer von den Schauspielern bedient werden können, bzw. direkt am Spieler montiert sind (im Lehrgang mit großen Papieren und sonstigem). Und auch der oder die Beamer sollten wohl beweglich sein.
  2. Wie ist die Choreographie? Wie soll der Text transportiert werden. Der könnte projiziert, aus dem Off oder von den Schauspielern gesprochen sein. Und wie wäre es mit einer Mischung von all dem? All das muss zusammengeführt werden.

Weil wir ja nicht zu viel Zeit zur Verfügung haben, muss alles mit wenig Diskussionen und sehr ökonomisch organisiert ein. Das ist – zugegeben – ambitioniert, packen wir´s an.

 

WORKSHOP IV – ECKARD KUCHENBECKER

SOUND UND GERÄUSCHE IN THEATER UND FILM

Tonaufnahme und Bearbeitung sind auch für Einsteiger keine Hexerei. Anleitungen für den guten Ton in der Medienproduktion.
Um erfolgreich und mit Freude die gestaltenden Möglichkeiten einer auditiven Ebene in einer Film- oder Theaterarbeit nutzen zu können,
sind eine Reihe einfacher Schritte nötig.
Der Workshop baut auf Erfahrungen in der Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen auf und vermittelt Grundlagen in:
Ton-Technik, Ton-Aufnahme, Ton-Bearbeitung und Ton/Geräusche-Gestaltung. Neben technischem Know-how vermittelt der Workshop an Hand von Beispielen die dramaturgische Wirkung von Tongestaltungen im Film und Bühnenbild.
Die Teilnehmer können alle Geräte selbst in die Hand nehmen und erstellen dabei ein exemplarisches Hörstück.

Kuchenbecker ist Tongestalter und Filmtonmeister von bisher mehr als 100 Kino- und TV-Produktionen. Seit vielen Jahren unterstützt er Medien-Projekte in der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen.

Lehrgangsprogramm